37, privat zufrieden und politisch mit Lust auf Zukunft
Ich lebe seit gut fünfzehn Jahren in Lichtenberg. Zusammen mit meinem Mann wohne ich auf 56m² in einer renovierungsbedürftigen Mietwohnung. Lichtenberg ist für mich Zuhause und Heimat geworden. Ich genieße die freundliche und hilfsbereite Nachbarschaft in meinem Haus, mein Lieblings-Café um die Ecke und die unglaublich guten Bus- und Bahn-Verbindungen (auch wenn sie leider immer öfter unzuverlässig fahren).
In den fast zehn Jahren, die ich bei unserem IKEA in Lichtenberg als Kassierer gearbeitet habe, bin ich sehr gerne mit dem Fahrrad durch den Landschaftspark Herzberge gefahren. Fast den gesamten Arbeitsweg durch den Park fahren zu dürfen, empfand ich als großes Privileg. Der Wind, die Schafe, die Bäume – nach einer Fahrt durch diese grüne Oase war der Kopf frei. Inzwischen arbeite ich in der Politik und verbringe als Lichtenberger Bezirksverordneter auch den Großteil meiner Freizeit mit Politik. Dass ist dort landen würde, war keinesfalls ausgemacht.
Geboren und aufgewachsen bin ich als Arbeiterkind in der Nähe der Autostadt Wolfsburg. Opa, Vater, Bruder, Schwester – alle haben vom Autobau gelebt, von Volkswagen. Das ist da so. Mein Opa und meine Oma sind Ende der 1930er Jahre in unruhigen Zeiten aus dem politisch instabilen Jugoslawien geflohen. Sicherheit, Zukunft und Frieden haben sie hier aber erst nach dem Krieg gefunden. Bei Volkswagen in Wolfsburg wurde mein Opa als Tischler eingestellt. Geld war in meiner Kindheit immer Thema: In den Urlaub sind wir nicht selbstverständlich gefahren und wenn, dann meist dorthin, wo wir jemanden kannten. Marken-Klamotten gab es, wenn jemand aus dem Dorf sie aussortiert hatte. Dass ich trotzdem nicht in Armut aufgewachsen bin, habe ich starken Gewerkschaften zu verdanken, die bei Volkswagen immer für gute Löhne gekämpft haben. Das prägt mich bis heute. Ich möchte nicht, dass Menschen Glück haben müssen, um nicht von Armut betroffen zu sein. Ich möchte es allen Menschen leichter machen, mit guten Löhnen, fairer Arbeit und Sozialsystemen, die Sicherheit geben, statt Angst zu machen.
Wenn ich auf meine Herkunft schaue, gehöre ich eigentlich nicht in die Politik. Aber genau deswegen ist es wichtig, dass ich dort bin.


